Visuelle Analysen

Zuerst möchte ich ein paar Hinweise geben, warum wir visuelle Analysen machen. Weiter unten wird beschrieben, wie sie funktionieren.

Warum visuell? Weil man es sich besser merken kann!

Der Mensch ist prinzipiell ein Augentier. Hunde erfahren ihre Welt über den Geruchsinn. Doch wir Menschen können besser sehen als denken. Und als zuhören. Und als aufschreiben.

Natürlich gibt es unterschiedliche Typen von Menschen, die alle eine bevorzugte Methode des Erfassens der Welt haben. Doch alles in allem ist das Sehen ein sehr ausgeprägter Kanal (normalerweise), mit dem sehr viel Information in sehr kurzer Zeit aufgenommen werden kann. Darum sagt man ja auch: „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“. Siehe auch verschiedene Lerntypen.

Am besten kann man sich ein Ergebnis merken, wenn man es selber gestalten konnte (Lernen durch eigenes Tun): bis zu 90% des „Lernstoffes“ (in dem Fall also des Ergebnisses der Analyse) bleibt im Kopf, wenn man es durch „selber tun“ erarbeitet hat.

Warum gemeinsame Workshops? Weil dann eher alle einverstanden sind!

Zusammen ein Ergebnis erarbeiten bedeutet, dass alle von Anfang am Ergebnis beteiligt waren. Es ist somit „home-made“. Und damit steigt die Wahrscheinlichkeit massiv, dass sie wirklich damit einverstanden sind und es danach auch umsetzen. Wenn man nicht einverstanden war, und nichts gesagt hat, dann ist die Wahrscheinlichkeit auch höher, dass man es dann umsetzt, weil man weiss, man hätte etwas sagen können (und sollen), und hat es damals nicht getan. Somit trägt man die Verantwortung mit, dass es jetzt so gemacht wird, wie damals gemeinsam entschieden wurde. Und das merkt man.

Warum zuerst Workshops und danach Spezifikation (Dokumentation?)

Wenn man zuerst einen Konsens findet, und danach das Ergebnis verschriftlicht in einem Dokument (Spezifikation), dann ist der Inhalt bereits mit allen abgestimmt. Wenn es danach eine Vernehmlassung gibt, dann dauert diese nicht mehr so lange, denn im Prinzip sind bereits vorher alle einverstanden gewesen mit dem Inhalt. Es gibt im Normalfall kein Hick-Hack mehr und man kann auch eher sicher sein, dass, sogar wenn die Dokumente nicht gelesen werden (was meistens der Fall ist), die Stakeholder einverstanden sind mit dem Inhalt.

Wie funktioniert eine visuelle Analyse?

Bei einer visuellen Analyse wird der Inhalt, der erarbeitet werden soll, „wie auf einem Bild“ dargestellt. Analog, wie wenn man es mit Visio zeichnen würde. Doch es wird gemeinsam erarbeitet im Team der relevanten Stakeholder (z.B. Projektteam inkl. Benutzer und Betrieb etc.) Dazu gibt es verschiedene Methoden:

  • Zeichnung auf einem Flipchart
  • Post-Its oder Moderationskarten auf Flip-Chart, White-Board oder Pinwand
  • Post-Its oder Moderationskarten auf dem Tisch
  • Figuren auf dem Tisch
  • Cards (siehe spezielle Webseite zu Cards) auf dem Tisch
  • Kombinierte Methoden

Was man darstellt, hängt natürlich vom gewünschten Ergebnis ab. BEispiele: Ist-Situation, Stakeholder-analyse, Systemkontext etct.

Warum nicht UML oder BPMN?

Ganz einfach: weil ⅔ der Projektteilnehmenden diese Sprachen nicht beherrschen. Sie könnten genau so gut chinesisch sprechen.